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Ein gebürtiger Bayer in Leipzig

Von Maria Winter (Auszubildende bei Freydank GmbH & Co KG (30.11.2010)

Schaut man in einem Nachschlagewerk unter den Begriff „Auto“, bekommt man eine derartige Definition: „durch einen Motor angetriebenes Straßenfahrzeug mit gummibereiften Rädern“. Doch ein Besuch im BMW-Werk Leipzig zeigt, ein Automobil ist viel mehr als das. Die Führung durch diese ist eine ganz eigene Welt ermöglichte uns einen Einblick in den Karosserie-, Lackiererei- und Montagebereich. Die Klasse FZ09a des Beruflichen Schulzentrums Leipziger Land, Stammschule Böhlen hatte die Möglichkeit, an einer solchen Führung teilzunehmen.
Seit 2005 entstehen auf dem 208 Hektar großen BMW-Gelände – die Leipziger Innenstadt umfasst eine Fläche von 104 Hektar - täglich 740 Fahrzeuge. Gefertigt werden dabei der 1er Dreitürer, 1er Coupé, 1er Cabrio, X1 und die 3er Limousine. Eingeteilt ist dieses architektonische Bauwerk in Presswerk, Karosserie, Lackiererei und Montage.
Das Presswerk, mit einer Fläche von 26.000 m2, besteht erst seit 2009. Um darin über 40 Bauteile zu produzieren, werden jährlich 55.000 Tonnen Stahl verwendet. Dieses Presswerk ist wohl weltweit die modernste und schnellste Anlage ihrer Art.
Die Führung führte uns zuerst durch die Karosseriehalle, welche eine Fläche von 90.000 m2 hat. Dabei erfuhren wir, dass ein 1er BMW aus beispielsweise 600 Teilen besteht und die dazugehörigen einzelnen Arbeitsschritte. Ebenfalls interessant hierbei ist, dass die Metallstärke variiert je nach Bauteil zwischen 0,8 bis 1,8 mm. Den Großteil der Arbeit erledigen hierbei zu 97% Maschinen. Der Rest, wie das Türen und Klappen einbauen, wird jedoch von Hand erledigt. Kontrolliert wird dann durch Infrarot, Laser und das menschliche Auge.
Weiter wurden wir in die heiligen Hallen - der Lackiererei - geführt. Ein riesiges Areal von 96.000 m2. Zur Einführung gehörte die Vorstellung der typischen BMW-Farben. Sonderlackierungen werden im Leipziger Raum nicht durchgeführt, diese finden nur in München statt. Zu den derzeit beliebtesten Farben zählen zu 90% schwarz, weiß und alle silbermetallic Varianten.
Doch wie entsteht eine solche Lackierung? Ausgangspunkt ist der feuerverzinkte Edelstahl aus dem die Karosserie besteht. Diese wird mit Laugen gereinigt und kommt anschließend in ein galvanisches Bad. In einem 228.000 Liter großen Becken entsteht die erste Lackschicht, der sogenannte kathodische Tauchlack. Dabei ist die Karosserie negativ und der Lack positiv geladen. Diese Schicht wird als Korrosionsschutz genutzt. Die zweite Schichte ist der Füller, der von einem Roboter aufgetragen wird. Der Füller gleicht dabei kleine Unebenheiten aus. Als dritte Schicht folgt der Basislack, hierbei werden jedoch nur Wasserlacke benutzt. Wasserlacke enthalten weniger Lösemittel und sind so Umweltfreundlicher. Der überschüssige Lack, das sogenannte Overspray, wird mit Hilfe von Luftdruck entfernt und wird in einem wassergefüllten Becken aufgefangen. Das Wasser wird gereinigt und weiter verwendet. Die vierte und letzte Lackschicht ist der Klarlack. Der wird allerdings in Pulverform aufgetragen. BMW nutzt diese Art von Lackierungen, da der Pulverlack zu 100% genutzt werden kann und somit der Abfall verringert wird. Bei 60°C ändert er seinen Aggregatzustand und wird zu einer gleichmäßigen glatten Oberfläche. Doch erst bei 150°C und 40 Minuten im Trockenofen härten die Lackschichten vollkommen aus. Bevor jedoch das lackierte Fahrzeug weiter in Richtung Endmontage geht, muss es im Finish noch einer strengen Kontrolle unterzogen werden. Hilfreich sind dabei die 4000-6000 Lux starken Lampen, welche jeden kleinen Fehler kenntlich machen. Falls es zu solchen Fehlern kommen sollte, werden diese mit 4000er feinem Schleifpapier entfernt und mit feinster Schafswolle poliert.
Die letzte Station ist die Montagehalle. Der Aufbau dieser Halle nennt BMW selbst die Finger- oder auch Kammstruktur. Die Endmontage ist nach einem System aufgebaut. Zuerst erhält das Fahrzeug seinen kundenspezifischen Kabelbaum sowie weitere Teile des Fahrzeuginnenraums. Weitere Teile, wie das Cockpit oder die Sitze kommen bereits fertig montiert ans Band. Danach die „Hochzeit“, welche das Zusammenfügen des Antriebsstranges mit der Karosserie bezeichnet. Anschließend werden Stoßfänger und Räder angebracht. Die Montageaktionen, wie Betriebsflüssigkeiten einfüllen sowie umfangreiche Funktionsprüfungen durchführen, kommen zuletzt. Das Fahrzeug ist dann, im Idealfall, voll funktionstüchtig und absolut perfekt.

Ein wahres Erlebnis für jedermann, der an deutscher Handwerkskunst interessiert ist.

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