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Schulzentrum jetzt rundum neu (LVZ F. Prenzel vom 14.09.2013)

Einweihung des sogenannten Ersatzneubaus / Landrat des Landkreises Leipzig wirbt für "sinnvolle Strukturpolitik" im Freistaat

Am Ende fielen Berufsschüler, Lehrer und Prominenz in gemeinsamen Gesang. Unter Stabführung von Lehrerin Martina Gerbsch schallte "Dona nobis pacem" als dreistimmiger Kanon über den Schulhof - "Gib uns Frieden". Das war der Abschluss einer Feierstunde unter freiem Himmel, mit der gestern der sogenannte Ersatzneubau des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) in Böhlen seiner Bestimmung übergeben wurde. Mit dem rund 5,2 Millionen teuren Neubau ist die Berufsschule nun rundum auf dem neuesten Stand. An dem für 900 Schüler ausgelegten BSZ Leipziger Land werden derzeit 700 Berufsschüler von etwa 60 Lehrkräften unterrichtet.
Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) war denn auch voll des Lobes. In Böhlen sei ein modernes und zukunftsträchtiges Schulzentrum etabliert worden, das in Sachsen seinesgleichen sucht. Mit seiner Entscheidung zur Konzentration des BSZ-Standorts habe der Landkreis für eine langfristige und sichere Beschulung der Auszubildenden gesorgt. "Wir wollen gute Bildung nicht nur in den Großstädten, sondern auch im ländlichen Raum", sagte Kurth. Deshalb sei diese Investition hier vor den Toren Leipzigs "genau richtig".
80 Prozent der Bausumme steuerte der Freistaat bei. Alles in allem wurden seit 1998 in den BSZ-Stammsitz in Böhlen 19,8 Millionen Euro investiert, von denen Sachsen 15 Millionen Euro getragen hat. Mit Inbetriebnahme des neuen Dreigeschossers, für den der letzte marode Altbau weichen musste, wurden die Außenstellen Borna, Espenhain, Markkleeberg und Regis-Breitingen geschlossen. Daran erinnerte Landrat Gerhard Gey (CDU). In Borna habe es keine Möglichkeiten zur Erweiterung gegeben, weshalb schon Anfang der 90er Jahre die Weichen gestellt worden seien, den Stammsitz in Böhlen auszubauen. Aufgrund zurückgehender Schülerzahlen und des Sanierungsbedarfs in allen Außenstellen habe der Kreistag 2009 beschlossen, die Ausbildung in Böhlen zu konzentrieren. "Alle Schulen in Trägerschaft des Landkreises sind jetzt in einem Top-Zustand", sagte der Landrat. Mit dem Neubau seien die Investitionen im Wesentlichen abgeschlossen.
Gey ließ die Gelegenheit nicht ungenutzt, der Kultusministerin auch angesichts der drohenden Schließungen der Oberschulen Kitzscher und Colditz (die LVZ berichtete) ins Gewissen zu reden. "Sorgen Sie dafür, dass wir zu einer sinnvollen Strukturpolitik im ländlichen Raum kommen", sagte Gey. Die vor zehn Jahren angedachte Schulnetzplanung funktioniere heute nicht mehr, "wir müssen zu einem besseren Konzept kommen". Der Wettbewerb zwischen den Schulen sei richtig und wichtig, es müsse aber fair zugehen, so Gey mit Blick auf unterschiedliche Bedingungen in Großstädten und im ländlichen Gebiet.
Schulleiter Jörg Großkopf lobte den Neubau als "sachlich, funktionell und trotzdem schön" und stellte schon die nächste Investition in Aussicht. Noch in diesem Jahr erhält das BSZ eine Lackierkabine für angehende Fahrzeuglackierer und damit ein weiteres Kompetenzzentrum. Im BSZ Leipziger Land, so Großkopf, könne nun in vielen Berufsfeldern vorbildlich ausgebildet werden, die Zeit, "dass wir Schüler abgeben mussten", sei vorbei.   Frank Prenzel

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Mit dem Abbruch des letzten Altbaus am Berufsschulzentrum in Böhlen wurde im Mai 2011 begonnen. Die Grundsteinlegung des sogenannten Ersatzneubaus erfolgte am 8. November 2011 zeitgleich mit der Einweihung der neuen Zweifeld-Sporthalle.
Der 5,2 Millionen Euro teure Neubau wurde in Stahlbeton-Bauweise ausgeführt, die Wände sind mit Vollwärmeschutz versehen. Das Gebäude wird mit einer Holzpelletheizung erwärmt, womit Forderungen des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes entsprochen wurde. Ein Gang verbindet den Dreigeschosser mit dem Haus 1. Am nördlichen Rand der Schule werden noch 50 weitere Parkplätze für Schüler errichtet.
Unter dem Dach des Neubaus befinden sich 17 Klassenräume für den allgemeinen Unterricht, Fachräume für Physik, Chemie, Biologie und Biotechnologie, vier Informatikräume, der Lehrerbereich sowie die Fachräume für die Ausbildung in Sachen Ernährung und Hauswirtschaft. Im Außenbereich entsteht ein "Grünes Klassenzimmer".
Als Generalplaner arbeitete die S&P Sahlmann Planungsgesellschaft für Bauwesen mbH Leipzig. Laut Landrat Gerhard Gey wurden 80 Prozent der Aufträge an Unternehmen Sachsens vergeben. Fünf beteiligte Firmen kamen "aus dem Land der Frühaufsteher", also aus Sachsen-Anhalt, eine aus Thüringen.
Am Beruflichen Schulzentrum Leipziger Land in Böhlen gibt es diese Ausbildungsrichtungen: Berufliches Gymnasium (Wirtschaftswissenschaft, Biotechnologie, Ernährungswissenschaft), Fachoberschule (Wirtschaft, Verwaltung), Berufsfachschule (Sozialassistent, Krankenpflegehelfer), Berufsschule (zwölf Berufszweige), Berufsgrundbildungsjahr, Berufsvorbereitungsjahr.

 

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