Logo des Landkreises Leipzig

"Wir kämpfen um jeden Schüler" ( LVZ 14.11.2013- Saskia Grätz)

Tag der offenen Tür am Beruflichen Schulzentrum / Werbung für Handwerk und Ausbildung
Lotsen vom Gymnasium führten die rund 400 Neuntklässler aus der Region in Gruppen durchs Haus, auch andere Berufsschüler waren in die Logistik des Tages eingebunden: Das Berufliche Schulzentrum Leipziger Land (BSZ) in Böhlen präsentierte gestern beim Tag der offenen Tür seine vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten. Auch das Handwerk - vertreten durch acht Innungen und 20 Betriebe - warb für sich und den Nachwuchs. Eine gelungene Veranstaltung, die bereits zum vierten Mal in dieser Form stattfand.
Der Geburtenknick wirkt nachhaltig: Viele Firmen spüren den Fachkräftemangel und nutzen daher Gelegenheiten wie die gestrige, um die Jugendlichen für die jeweilige Zunft zu interessieren. Das werde immer schwieriger, sagt Obermeister Lothar Franke, Chef des gleichnamigen Baugeschäfts in Benndorf. 20 Mitarbeiter im Alter von 18 bis 65 Jahren werden in der Baufirma beschäftigt, die auch Aufträge für die Denkmalpflege erledigt.
"Viele jungen Leute wollen viel Geld verdienen und sich nicht die Finger schmutzig machen", sagt er. Andere würden lieber den ganzen Tag am Computer sitzen. Zurzeit habe Franke nur noch einen Azubi, in früheren Jahren seien es zwei bis drei pro Jahr gewesen.
Sofie Trummer aus Leipzig weiß bereits genau, was sie möchte: Humanbiologie studieren. Die Zwölftklässlerin ist Feuer und Flamme für die Biotechnologie-Ausbildung, die seit diesem Jahr in Böhlen stattfindet. "Wir haben viel bessere Möglichkeiten", sagt die 17-Jährige und gab Toni und Richie, zwei Oberschüler aus Geithain, im Fachkabinett gestern ein paar Einblicke in diese Welt. Das BSZ habe für diesen Bereich ein Alleinstellungsmerkmal, betont Schulleiter Jörg Großkopf: das S-1-Labor. Die Sicherheitsstufe 1 ermöglicht Arbeiten, die in einer normalen Schule nicht möglich sind. Beispielsweise werde mit lebenden Bakterien gearbeitet. Die gentechnischen Experimente dienen dem Wissenserwerb für eine Branche, die nach Auffassung von Lehrerin Evelyn Hempel "sehr interessant" ist und eine große Zukunft hat. Eine solche Ausbildung wird neben Böhlen in Sachsen nur noch in Dresden und Schneeberg angeboten.
Momentan lernen 730 Schüler am BSZ in Böhlen. Nachschub ist immer willkommen. Es sei wichtig, die Leute aus der Region in der Region zu halten, nennt der Schulleiter ein Ziel der Veranstaltung.
Nachwuchs wird auch in der Friseurbranche gesucht. "Vor 15 Jahren gab es 18 Friseurklassen für den gesamten Handwerksbezirk Leipzig, jetzt sind es noch neun Klassen", sagt Friseurmeister und Lehrkraft im BSZ Schkeuditz Jens Kretschmer. "Wir kämpfen um jeden Schüler."
Die beiden Oberschülerinnen aus Pegau - Laura Ozdi (14) möchte Fotografin, Julika Weise (15) Hebamme werden - fanden es trotz ihrer recht konkreten Berufswünsche interessant. Vielleicht gehe sie später aufs Berufliche Gymnasium, sagt die 14-Jährige. "Besser als Unterricht" sei der Tag allemal.



Karsten Köhler ist Auszubildender im Stukkateurhandwerk. Hier restauriert er eine Büste von Hermes, dem Schutzpatron der Bauleute. Lehrausbilder Lothar Franke im Hintergrund gibt den Oberschülern derweil allgemeine Information zu diesem Handwerk. Foto: Thomas Kube

Fotos: BSZ

weitere Bilder finden Sie in der Galerie oder hier: klick

 

Zum Seitenanfang