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Fliegender Käfig, hätte Schiller das so gewollt?

Zwischen einem klingelnden Nokia, angeschwipsten Teenagern und dem Leiden der Maria
Stuart


Am 8. Februar 2016 um 19:30 wurde im Schauspielhaus Leipzig das Stück „Maria Stuart“ als Theateraufführung vorgestellt. Das Werk „Maria Stuart“, geschrieben von Friedrich Schiller, ist im sächsischen Lehrplan enthalten und wird an vielen Schulen in den Oberstufen behandelt. Da es eine Schulvorstellung war, trafen größtenteils Schüler am Abend der Vorstellung im Schauspielhaus Leipzig ein.
Die Klasse WG15 besuchte am Abend das Theaterstück „Maria Stück“ als Schulaufführung um ihr Wissen zu festigen und um sich das Werk auch bildlich vorstellen zu können.
Friedrich Schillers Drama „Maria Stuart“ wurde 1800 am Weimarer Hoftheater uraufgeführt und beschreibt den historischen Konflikt zwischen der englischen Königin Elisabeth und der schottischen Königin Maria Stuart. Der Geschichtsprozess umfasste eigentlich mehr als ein Vierteljahrhundert. Durch Verdichtung allerdings gelang es Schiller die Stofffülle so zu bearbeiten, dass ein Werk mit nur fünf Akten entstand. Seit mehreren Jahren befindet sich die schottische Königin Maria schon in der Gefangenschaft der englischen Krone. Wegen Hochverrats soll sie in drei Tagen hingerichtet werden. Als Maria nach England floh, hoffte sie auf die Hilfe ihrer Verwandten
Elisabeth, der Königin von England. Dies hatte sowohl politische als auch soziale Gründe. Elisabeth und Maria unterscheiden sich vor allem im Charakter. Elisabeth ist sehr unsicher und misstrauisch und lässt sich deshalb von ihren Beratern beeinflussen. Maria hingegen hat ein hohes Temperament und viel Selbstbewusstsein. Beide empfinden etwas für denselben Mann: Leicester. Dieser allerdings spielt ein falsches Spiel mit beiden und beschwört mit seiner manipulativen Art den Konflikt zwischen Elisabeth und Maria. Nun liegt es in Elisabeths Hand, ob Maria hingerichtet werden soll oder nicht. Der Höhepunkt des Werkes wird durch die Gartenszene im dritten Akt erreicht. Hier treffen Maria und Elisabeth das erste Mal im Werk aufeinander. Maria bittet Elisabeth um Hilfe, doch diese bleibt kalt und stur. Dadurch entsteht ein Streit zwischen den beiden Königinnen und sie gehen im Hass auseinander. Somit ist das Urteil gefällt: Maria wird sterben. Der Berater Elisabeths, Burleigh und Shrewsbury, versuchen ihre Entscheidung über das Todesurteil stark zu beeinflussen. Nach kurzer Zögerung entscheidet Königin Elisabeth sich für dieHinrichtung Marias und unterschreibt das Urteil. Das Urteil gerät in die Hände Burleighs und Maria Stuart wird auf grausame Weise hingerichtet. Sie stirbt unschuldig aber dafür war sie bis zu letzter Stunde im Einklang mit sich selbst. Maria beichtete vor ihrer Hinrichtung all ihre Sünden der katholischen Kirche und fühlte sich somit bereit für den Tod. Elisabeth hingegen ist am Ende einsamer als zuvor. Sie wurde von ihren Beratern verlassen und steht nun alleine da. Die Vorstellung „Maria Stuart“ begann 19:30 in einem großen Saal im Schauspielhaus Leipzig. Für einen Mittwochabend war der Saal gut gefühlt, größtenteils mit jungen Menschen. Während die letzten Minuten bis zum Start vergingen hörte man Sätzen wie „Hoffentlich schlafe ich heute nicht ein.“ oder „Mir ist jetzt schon langweilig“. Die Bühne (Harald B. Thor) war schon offen und wirkte mit der vorn zum Parkett abfallende Spielfläche und ein paar aufklappbaren Stangen eher sparsam. Als dann das Stück begann, wurde die Bühne verdunkelt und es ertönte Musik, welche man eher als „Höllenmusik“ bezeichnen sollte. Es war sehr ohrenbetäubend und die meisten Zuschauer erschreckten zusammen. Das Licht ging an und zum Vorschein kam eine in grauem Hemd bekleidete, schreiende Maria Stuart (Anna Keil) welche als Gefangene in einem Käfig an der Decke hing. Anders als im Werk sind ihre Haare blond und sie trägt große Bleischuhe. Diese Bleischuhe schränkten ihre Bewegungen ein und sollten somit ihre Flucht verhindern. Was auffällt ist, dass es keine Hinführung zum Thema gab, das heißt, der Regisseur Georg Schmiedleitner setzte ein bestimmtes Vorwissen der Zuschauer voraus. Auch das Personal der Maria wurde komplett raus gestrichen, es gab keinen Haushofmeister Melvil, keinen Arzt Burgoyn, keine Amme Kennedy und keine Kammerfrau Margareta. Natürlich ist es klar, dass man bestimmte Sachen wegkürzen muss, um eine Spielzeit von zwei Stunden einzuhalten. Aber sogar Drugeon Dury und Wilhelm Davison fehlten. Davison wurde in diesem Stück am Ende von Paulet (Denis Petkovic) ersetzt. Obwohl Paulet im Werk eher für Rechtsstaatlichkeit steht, wird er im Theaterstück zum Opfer des schlechten Gewissens, denn er gab das Urteil in die falschen Hände und so starb Maria unschuldig. Auffällig war vor allem Lady Burleigh (Anne Cathrin Buhtz) welche mit Hosenanzug und Lederhandschuhen über die Bühne stolzierte. Was sich der Regisseur dabei dachte, Burleigh als Frau darzustellen, bleibt offen. Vielleicht wollte er uns damit zeigen, dass man das Böse auch auf weibliche Art verkörpern kann. Außerdem passt er damit das Stück den heutigen Verhältnissen an, denn heutzutage kann eine Fraumauch Einfluss auf die politischen Entscheidungen nehmen. In dichten Abständen, meistschon nach einem Positionswechsel, wurde die Bühne verdunkelt und es erklangen Geräusche, die sich eher nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges anhörten als nach einer einfachen „Überbrückungsmusik“. Dies waren allerdings die einzigen Geräuschakzente, welche man in dieser Vorstellung hören durfte. Als dann Shrewsbury zum Vorschein kam, schauten die Zuschauer nicht schlecht. Shrewsbury (Tilo Krügel) saß im Rollstuhl und fuhr auf der abfallende Spielfläche, was für ihn bestimmt nicht leicht war, im Gegensatz zu den anderen Schauspielern zeigte er sehr viel Bewegung. Das Theater lebt von Handlungen und Bewegungen, doch in diesem Stück kam die Bewegung viel zu kurz. Meist stützten sich alle an den Fahrradständern ab und sprachen ihre Texte. Der Text war perfekt eingekürzt und wurde von allen fehlerfrei vorgetragen. Trotzdem würde ich dieses Theater eher als „Sprechtheater“ bezeichnen, da mehr gesprochen als gespielt wurde. Im Gegensatz zu den Männern Leicester, Paulet und Mortimer, welche im Übrigen viel zu enge Anzüge trügen, brachte Graf Aubespine (Sebastian Tessenow) mit seinem Auftritt etwas Farbe ins Spiel. Er stolperte am Anfang seines Auftrittes direkt über die Bühne und brachte die Zuschauer mit seinem Charme zum Schmunzeln. Er hatte etwas sehr Sympathisches und wirkte mit seinem auberginefarbenen Anzug wie aus einer anderen Welt. Die anderen Schauspieler waren eher sehr schlicht und in schwarzen und weißen Tönen gekleidet. Die Hauptszene war wie zu erwarten die „Gartenszene“, in der Maria nun ihre schauspielerischen Fähigkeiten zeigen konnte. Als nun langsam das Ende der Vorstellung nahte, kamen Unruhen auf. Statt der eigentlich geplanten 105-minütigen pausenlosen Aufführung kam es in den letzten 20 Minuten zu einer kurzen Unterbrechung. In der ersten Reihe wurde, ohne Rücksicht auf die Schauspieler zu nehmen, dauernd geredet und mit den Handys gespielt. Die Schauspieler unterbrachen ihren Auftritt und baten die zwei Schüler, aus der ersten Reihe, zu gehen. Ein kurzer Applaus des Publikums ertönte und die Schauspieler fuhren wie einstudiert mit ihrer Aufführung fort. Das Stück endete dann mit Marias Hinrichtung. Sie trug ein rotes Kleid und ging wieder zurück in ihren an der Decke hängenden Käfig. Es ertönte eine grausame Musik und es wurden Nahaufnahmen ihres Gesichtes an die Wand projiziert. Sie sah eher aus wie eine Verbrecherin statt einer Königin. Elisabeth (Bettina Schmidt) hingegen zeigte sich mit ihrem schwarzen pompösen Kleid sehr stilvoll. Trotzdem war sie in diesem Stück gefühlt keine Königin. Sie wirkte eher etwas in sich gekehrt und von Mimik war bei ihr auch nicht viel zu erkennen. Von Macht kann man hier also nicht sprechen. Als dann die Vorführung beendet war, erfolgte ein sehr starker Applaus welcher mindestens fünf Minuten andauerte. Die Schauspieler kamen mehrmals auf die Bühne und verbeugten sich.Zusammenfassend kann man sagen, dass das Stück im Großen und Ganzen gut umgesetzt wurde. Für Schüler, welche das Werk gerade in der Schule behandeln oder
schon behandelt haben ist es eine sehr gute Veranschaulichung und Wiederholung des Stoffes. Allerdings werden die Zuschauer, welche noch nie etwas von Maria Stuart gehört haben, eher weniger zurecht kommen. Trotz all der Kritik, die wir in dieser Rezension angesprochen haben, würden wir diese Veranstaltung weiterempfehlen, da es uns als Schüler sehr geholfen hat, das Werk „Maria Stuart“ besser zu verstehen und auch noch einmal zusammenfassend zu verinnerlichen. Es gibt einige Verbesserungsmöglichkeiten, zum Beispiel die Bühne etwas mehr zu gestalten oder bessere Musik und Kostüme mit einzubringen. Natürlich soll es kein Pro7 Spielfilm werden, aber wir hätten schon gerne etwas mehr Bewegung und Farbe gesehen. Diese Aufführung von Maria Stuart war stimmig und sehr eindrucksvoll. Sie lehnt perfekt, mit der Ausnahme von einigen kleinen Unterschieden , an die trockene Theorie des Werkes an und stellt somit eine aussagekräftige und höchst spannende Praxis dar, welche das Publikum förmlich in den Theatersitz fesselte Kulturinteressierten und stellt zum Mitfiebern es einen anregt. Für unvergesslichen jeden mit Literaturfan und
schauspielerischen Höchstleistungen bestückten Ausflug in eine Welt der deutschen Literatur und Kultur dar.

Die Redaktion LK Deutsch der WG15
Abbildung 1: Die Redaktion am Ausarbeiten der Theaterkritik zu "Maria Stuart"

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