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Truck gegen Vorurteile (LVZ 10.11.2017 von Julia Tonne)

 

Rebekka Koch, Jörg Großkopf und Henrik Frost (v. li.) an der ersten Station im Missio-Truck: einem Marktplatz im Kongo

Böhlen. Das kleine Dorf im Kongo wird von Milizen angegriffen, Häuser gehen in Flammen auf, die Menschen müssen fliehen. Doch was auf die Schnelle mitnehmen, wohin und vor allem wie? Der Missio-Truck, eine multimediale Ausstellung der Aktion Schutzengel, widmet sich dem Thema Flucht und deren Ursachen und macht derzeit Station am Beruflichen Schulzentrum in Böhlen. Schulsozialarbeiter Henrik Frost hatte den Truck für mehrere Tage zum BSZ geholt, „um das Thema aufzugreifen“. Denn Aufklärung bei den Schülern sei dringend notwendig.

Zu zweit können die Jugendlichen durch den sechs Räume umfassenden Lastwagen laufen, wobei jeder Raum für eine Fluchtstation steht. Zunächst einmal beginnt alles friedlich auf einem Markt, der plötzlich Ziel von Angreifern wird, die das Dorf verwüsten. In einer Kirche finden die Menschen Unterschlupf, doch die Ruhe trügt, auch hier ist es nicht sicher. Die Odyssee nimmt ihren Lauf.

„Die Unwissenheit vieler Schüler über Flucht ist schlicht gruselig. Doch eben durch diese Unwissenheit entstehen Vorurteile“, macht Heidi Bischof vom Netzwerk für Demokratische Kultur aus Wurzen deutlich. Dabei liege es in der Verantwortung eines jeden, sich zu informieren. Denn weltweite Konflikte entstehen letztlich meistens durch das Konsumverhalten der Menschen. „Im Kongo gibt es die größten Vorkommen von Coltan, das für die Herstellung von moderner Elektronik – Mobiltelefone, Videokameras, Computerchips – gebraucht wird“, erklärt Bischof. Mit anderen Worten: Die Unersättlichkeit vieler Jugendlicher nach den neuesten Handys sei für viele Menschen im Kongo ein Todesurteil oder eben der Grund zu fliehen, „denn Rohstoffe wecken Begehrlichkeiten“, macht Rebekka Koch von der Missio-Aktion Schutzengel deutlich.

Gerade in Böhlen ist die Flüchtlingsthematik noch immer aktuell, auch wenn das ehemalige Apart-Hotel seit mehreren Monaten nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. „Wir haben viele Schüler, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten und nun versuchen, hier heimisch zu werden“, erklärt Jörg Großkopf, Schulleiter des BSZ. Doch nicht immer gingen die anderen Schüler mit ihnen respektvoll um.

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