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"Kleine Insel im großen Ozean"

Tag der offenen Tür im Beruflichen Gymnasium Biotechnologie in Markkleeberg
Markkleeberg/Böhlen. Die Biotechnologie hat Zukunft und bietet jungen Leuten daher beste Jobaussichten. Entsprechend groß war das Interesse am Sonnabend zum Tag der offenen Tür im Beruflichen Gymnasium Biotechnologie in der Raschwitzer Straße in Markkleeberg. In der Außenstelle des Beruflichen Schulzentrums Leipziger Land (BSZ) werden Jugendliche in drei Jahren zur allgemeinen Hochschulreife geführt.

"Schüler und Eltern, die zu uns kommen, haben ganz konkrete Vorstellungen", betonte Oberstufenlehrer Oswald Grüner. Kurz nach Neun umringten ihn die ersten Besucher, kurz vor Zwölf die letzten. Grüner, der Deutsch, Ethik, Biotechnik und Biologie unterrichtet und das wissenschaftliche Praktikum betreut, berichtete unter anderem vom Schüleraustauch mit dem Beruflichen Gymnasium in Pforzheim. "Wir haben dort aus den USA stammende Lebensmittel auf gentechnische Veränderungen untersucht. Das war wissenschaftliche Arbeit auf höchstem Niveau", schwärmte er.

Familie Barthel/Toloczyki aus Machern zeigte sich denn auch überaus angetan. "Das Berufliche Gymnasium ist eine kleine einsame Insel im großen Ozean", meinte Christian Toloczyki. Er und Ehefrau Maria Barthel sind Branchenkenner. Beide arbeiten bei der Euroderm GmbH in Leipzig. 2007 wurde das Unternehmen mit Forschern der Universität Leipzig für ihre "Haut aus Haaren" mit dem Innovationspreis der Industrie- und Handelskammer ausgezeichnet. "Unsere Tochter hat bei uns schon Praktika absolviert", erzählte Barthel stolz.

Noch besucht die 16-jährige Josefin aber das Gymnasium in Brandis. Im Sommer wird sie nach Markkleeberg wechseln. Der Grund: "In Sachsen kann man keinen Leistungskurs Biologie belegen." Für eine angehende Naturwissenschaftlerin, die schon bei "Jugend forscht" mitgemacht hat, ein Unding. "Das ist wirklich absolut unverständlich. Schließlich haben wir in der Region Leipzig/Halle das Fraunhofer Institut, das Max-Planck-Institut und viele junge Biotechnologiefirmen. Und dann fehlen den Jugendlichen die Voraussetzungen, um in die Forschung gehen zu können", beklagte Toloczyki.

"Dass es an den Gymnasien keinen Bio-Leistungskurs mehr gibt, spielt uns absolut in die Hände", sagte Lehrer Grüner. Wie Josefin wechselten deshalb nach der Zehnten viele aufs Berufliche Gymnasium. Außenstellenleiterin Maren Deistler hat deshalb auch keine Sorge, ihre elfte Klasse im nächsten Schuljahr voll zu bekommen. Im Gegenteil. "Bei hoher Nachfrage haben wir sogar die Kapazitäten für eine zweite Klasse", so die 43-Jährige.

Aktuell lernen 52 Schüler in der Raschwitzer Straße. Unterrichtet werden die Jugendlichen von elf Pädagogen. Im Sommer 2013 ziehen sie vom Container-Interim, das das berufliche Gymnasium seit dem Umbau des früheren BSZ am Rathausplatz nutzt, nach Böhlen. Vor zweieinhalb Monaten wurde dort der Grundstein für den Ersatzneubau des Berufsschulzentrums gelegt. Der Träger, der Landkreis Leipzig, investiert rund 5,1 Millionen Euro. "Unsere Schüler haben dann ideale Bedingungen. Das wird ein Schmeckerchen mit modernen Fachkabinetten und Laboren", so Deistler.

Von einer Regelung im Kreis wird auch Karolin Beyer profitieren. Die 17-jährige gebürtige Bautzenerin, kam extra aus Mecklenburg-Vorpommern angereist, wo sie derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr leistet. "Das Landratsamt übernimmt alle Fahrkosten, die zehn Euro im Monat übersteigen. Egal, wo die Schüler wohnen und egal, wie hoch das Einkommen der Eltern ist", erläuterte Deistler. Das sei nicht selbstverständlich.

Karolin hat sich derweil schon entschieden. Sie will unbedingt nach Leipzig ziehen, um am Beruflichen Gymnasium auf ihr großes Ziel hin zu lernen. "Mich reizen die Möglichkeiten der Gentechnik. Das wäre ein Job für mich", verriet sie. Überzeugt haben Karolin und ihre Mutter Sabine Beyer vor allem die von Grüner offerierten Praktika am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, die fester Bestandteil der Ausbildung sind.

Quelle: LVZ vom 31.01.2012 Ulrike Witt

Bio-Wissen allein reicht nicht fürs Abi: Kunstlehrerin Ulrike Emtanes mit Thomas und Heinz Süss.

Sie haben sich schon entschieden und werden am Beruflichen Gymnasium in Markkleeberg ihr Abitur ablegen: Marcus Tennstädt, Annemarie Werner, Kerstin Paasch und Nico Richter (von links) beim Experimentieren im Biotechnik-Labor

Fotos: André Kempner

Weitere Informationen erhalten Interessenten im Beruflichen Gymnasium Biotechnologie in der Raschwitzer Straße 35 in Markkleeberg, Telefon 0341/3586922. E-Mails können an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gerichtet werden. Anmeldungen für das Schuljahr 2012/13 müssen spätestens am 31.März vorliegen.

Ein Wissens-Bonus für das Studium

Berufliches Gymnasium Espenhain und Schulteil Borna des BSZ laden zum Tag der offenen Tür ein
Borna/Espenhain. Das Jahr hat gerade erst begonnen, doch für viele junge Leute sind die Ausbildungswege ab dem Schuljahr 2012/13 längst ein heißes Thema. Informative Entscheidungshilfen gab es am Sonnabend vom Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Leipziger Land, als die vier Außenstellen zum Tag der offenen Tür

Wer mit einem guten Realschulabschluss sein Abitur machen möchte, ist in Espenhain willkommen. "In Gesprächen fällt uns immer wieder auf, dass viele Eltern und Jugendliche diese Möglichkeit gar nicht kennen, an einem beruflichen Gymnasium in drei Jahren die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen", sagt Fachleiterin Maren Deistler, die auch für die BSZ-Außenstelle in Markkleeberg den Hut aufhat und Biologie sowie Biotechnologie unterrichtet.

Überzeugendes Argument für diesen Weg: Durch die wahlweise Spezialisierung auf Wirtschaft oder Technik bekommen die Jugendlichen viel zusätzliches Wissen vermittelt - eine große Erleichterung beim Studium. "Oder sie stellen eben nach ein, zwei Jahren fest, dass Wissenschaft und Technik doch nicht ihr Ding sind. Selbst das ist ein Vorteil, denn sie haben diese Erkenntnis schon in der Schulzeit gewonnen", erklärt Nadine Kirchner und verweist auf die recht hohe Studien-Abbruchquote in diesen Fachrichtungen.

Als Beraterin für akademische Berufe ist die junge Frau kompetente Ansprechpartnerin in Sachen Studium in den Schulen des Landeskreises. "Ich begleite Sie während der gesamten dreijährigen Schulzeit", versicherte sie am Sonnabend den zahlreich erschienenen Eltern und Jugendlichen, nachdem Maren Deistler während eines kleinen Vortrages das Gymnasium vorgestellt hatte und dabei auch den wichtigen Fakt betonte, dass alle Bildungsgänge am gesamten BSZ kostenfrei sind.

Ronny Lantzsch kam ebenfalls zu Wort. Der 22-Jährige legte 2008 in Espenhain sein Abitur ab, hat inzwischen ein duales Studium an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig begonnen und weiß bereits jetzt, dass ihn sein Arbeitgeber Siemens als künftigen Ingenieur für Elektrotechnik übernehmen wird. "Ich kann so ein technisches Gymnasium wirklich jedem empfehlen, der in diese Richtung gehen will. Das Wissen, das ich hier erworben habe, kann ich beim Studium sehr gut gebrauchen."

Dass die vier Außenstellen Mitte 2013 schließen, wenn am BSZ-Stammsitz in Böhlen der Erweiterungsbau fertig ist, hat sich inzwischen weitgehend herumgesprochen. Ab dem Schuljahr 2013/14 findet dann die gesamte Ausbildung in Böhlen statt. "Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, aber die Vorteile überwiegen natürlich", fasst Maren Deistler die Befindlichkeiten zusammen.

"Moderne Kabinette, leichtere Organisation, insgesamt bessere Bedingungen", nennt der stellvertretende BSZ-Schulleiter Thomas Reck gewichtige Argumente für die Konzentration am Stammsitz in Böhlen. Er wartete am Sonnabend in Borna gemeinsam mit Fachleiterin Helga Naß allerdings meist vergeblich auf Interessenten. Zu Unrecht, denn man hat dort am Königsplatz ebenfalls eine Menge zu bieten für die jungen Leute. Neben der dreijährigen Ausbildung in kaufmännischen Berufen gehört dazu auch ein einjähriges Fachoberschulangebot. "Hier können die Jugendlichen nach abgeschlossener Berufsausbildung die Fachholschulreife erlangen", erklärt Helga Naß. Während es diese Möglichkeit für Wirtschaft und Verwaltung schon länger gibt, ist sie im Bereich Technik ganz neu. "Die Genehmigung dafür haben wir erst in dieser Woche bekommen", so Reck.

Jana Mertineit (21) aus Markkleeberg, Jens Haftendorn (21) aus Leipzig und Mike Heinrich (18) aus Frohburg absolvieren derzeit ein solches Fachoberschuljahr. "Nach der Bürokauffraulehre habe ich hier in Borna gleich das Jahr drangehangen. Das war perfekt. Danach möchte ich studieren", erzählt Jana Mertineit. Das haben auch die beiden jungen Männer vor. Jens Haftendorn kann beim Fachoberschuljahr auf eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann aufbauen, Mike Heinrich hat in Borna zunächst Wirtschaftsassistent gelernt. "Es ist schön hier", sagt Jana spontan. Das Trio ist zufrieden. Es hat die Bildungs-Chancen des BSZ beim Schopfe gepackt.

Quelle: LVZ vom 30.01.2012 Hartmut Karich

Jens Haftendorn, Jana Mertineit und Mike Heinrich (von links) absolvieren in Borna derzeit ein Fachoberschuljahr. Elke Geißler, Lehrerin für Rechnungswesen und Recht (links), sowie Fachleiterin Helga Naß schauen ihnen über die Schulter.


Maren Deistler stellt den zahlreichen Eltern und Jugendlichen in Espenhain die Ausbildungsmöglichkeiten am Beruflichen Gymnasium vor

Fotos (2): Hartmut Karich

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