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Erhobener Zeigefinger hilft nicht

Sozialarbeiter will Berufsschüler von der Zigarette fernhalten

Böhlen. Schulsozialarbeiter Henrik Frost hatte für die Schülerinnen und Schüler der berufsvorbereitenden Klassen am BSZ Böhlen für eine ungewöhnliche Schulstunde gesorgt, denn mit dieser Bilanz will er und die Schulleitung sich nicht zufrieden geben: Zwei berufsvorbereitende Klassen gibt es, fast alle Schüler rauchen und das nicht gerade wenig. Erschreckend ist, einige von ihnen haben bereits in der Grundschule zum ersten Mal zum Glimmstengel gegriffen, mittlerweile rauchen zahlreiche 14- bis 18-Jährige viel und regelmäßig, auch in den Fünf-Minuten-Pausen. „Ich rauche durchschnittlich zehn Zigaretten pro Tag“, gesteht Mary Alpert aus der berufsvorbereitenden Klasse Farbe und Ernährung. Am Wochenende werden es schon mal mehr, sagt sie. Dass rauchen schädlich ist, wissen alle. Davon weg zu kommen, ist schwer. Rauchen heißt eben auch cool sein, dabei sein. Die Nichtraucher stehen oft am Rand. Rauchen ist auch ein soziales Problem. „Der erhobene Zeigefinger hilft da nicht“, sagt Frost. Einmal im Monat bietet er einen Workshop zum Thema gesunde Lebensweise an. Diesmal hatte er die Soziologin Sandra Herrmann eingeladen. Sie ist Mitarbeiterin am Uniklinikum Dresden, arbeitet im Präventionszentrum des Universitäts-Krebs-Centrums Dresden (UCC). Bei ihrem Besuch in Böhlen kommt sie mit den Schülern über deren Rauchgewohnheiten und über die Gründe der Raucherei ins Gespräch und klärt über die Risiken von Nikotin auf. Mit einem kleinen Gerät können die Schüler ihren Kohlenmonoxid-Wert in der Lunge messen, denn der steigt mit den täglich gerauchten Zigaretten an. Die Folge: Der Körper hat weniger Sauerstoff zur Verfügung. „Offiziell rauchen in deutschen Berufsschulen 38 Prozent der Schüler“, sagt Sandra Herrmann und weist auf eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hin. Dass Schüler plötzlich zum Nichtraucher werden, funktioniere in den seltensten Fällen. „Mein Ziel ist es, eine Auseinandersetzung mit dem Thema Rauchen anzuregen, so dass die Schüler die eine oder andere Zigarette sein lassen“, sagt die Soziologin. Henrik Frost will mit seinen Schülern dranbleiben und nicht locker lassen.

Beim nächsten Mal vielleicht dann schon ohne Raucherpause.

Foto: Ulrike Wolf

Quelle: LVZ Borna 04./05.01.2014 von Ulrike Wolf

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