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Mobbing in der Schule

Theaterstück im Beruflichen Schulzentrum in Böhlen greift aktuelles Thema auf

Für einen Moment war es ganz still, dann kam er doch: Beifall. Viel Beifall. Der Weimarer Kultur-Express machte gestern im Beruflichen Schulzentrum Leipziger Land in Böhlen Station. Die im Oktober 2000 gegründete freie Theatergruppe, die ausschließlich vor Schülern spielt, will Jugendlichen Hilfe bei der Bewältigung ihrer Probleme geben.
Eines davon ist Mobbing. "Ein Thema, das gerade in vielen neuen Klassen aktuell ist", sagt Schulsozialarbeiter Hendrik Frost. Ganz bewusst habe er diese Produktion zu Beginn des Schuljahres ins Haus geholt. Rund 120 Jugendliche, das Gros von ihnen im Berufsvorbereitungsjahr, sowie Schüler aus den Außenstellen des BSZ in Espenhain und Regis-Breitingen erlebten eine zum Nachdenken anregende Vorstellung.
Das Stück "Mobbing" erzählt die Geschichte zweier Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein können. Scheinbar selbstbewusst und laut kommt die attraktive Franziska (17) daher, bescheiden und von Selbstzweifeln geplagt ist die eher unscheinbare Laura (15). Beide landen auf einer Schulbank und wollen Jahrgangsbeste werden. Während die eine die Fürsorge der Eltern vermisst, hat die andere zu viel davon. Und so macht sich Franzi lautstark darüber lustig, dass Laura sich noch einer Hausaufgabenkontrolle unterziehen muss. Stück für Stück erwächst ein Zickenkrieg zwischen den beiden Akteurinnen, der von Lügen und Äußerlichkeiten wie "altmodischen Klamotten" geschürt wird. Er kulminiert in verbalen Auseinandersetzungen. "Du hast überhaupt keinen Stil. Es ist eine Zumutung, neben dir zu sitzen", schreit Franzi und provoziert ihre Gegenspielerin in allen erdenklichen Situationen. Ihr Neidpotenzial lässt sie schließlich auch zu unlauteren Mitteln greifen, und so geht eine gemeinsame Arbeit durch die trickreiche Übermacht von Franzi völlig daneben. Ständige Sticheleien machen Laura krank. Als sie nach vielen Wochen zurückkehrt, regiert Hass. Auch andere aus der Klasse beteiligen sich mittlerweile an dem üblen Spiel. "Sie muss weg", heißt die Kampfansage.
Im anschließenden Gespräch über das Stück wird schnell klar, dass es "für das Problem keine Universallösung" gibt. Dennoch kommen gute Vorschläge aus dem Publikum, was in einer solchen Situation zu tun ist. Streitschlichter, Selbsthilfegruppen und Beratungslehrer werden als Ansprechpartner genannt. Untereinander müsse geklärt werden, wie man klarkommen kann. Es geht um den Begriff Mobbing, der aus dem Englischen stammt - (to mob) anpöbeln, angreifen -, und die Mitschuld Dritter, die im Stück feige mitgemacht haben. Jede Menge Denkanstöße für die Jugendlichen.

Quelle: LVZ 05.11.11 Saskia Grätz

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